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Wildtiere zum Anfassen

geschrieben von Rosa Bartz im Januar 2012

Ein Rundgang durch das Wildgehege Kreideberg/Ochtmissen

Am Rand des nördlichen Stadtteils Kreideberg, zwischen Kleingartenverein und Ochtmisser Wäldchen, liegt das Wildgehege: ­Alpakas, Sika-Hirsche, Kamerun-Schafe, Hühner, Pfauen, Kaninchen, Truthähne und Enten haben hier ein Zuhause gefunden. Bernd Hufenreuter hat seit fast 20 Jahren den Vorsitz des ­Fördervereins Wildgehege Kreideberg/Ochtmissen e. V. inne, kümmert sich selbst vor allem um die Puten und das Wassergeflügel, übernimmt auch ge­legentlich das Füttern der anderen Tierarten. Zu den Vögeln hat er ein besonderes Verhältnis, da er sich seit seiner Jugend der Taubenzucht verschrieben hat. Auch auf dem Kreideberg gab es eine Zeit lang Tauben — die jedoch fielen einst diebischen ­Mardern zum Opfer.

1974 ist vor Ort das erste Wildgehege entstanden. Abseits des städtischen Trubels lebte ein Tierfreund namens Herr Hamann im heutigen Vereinshäuschen – der erste Besitzer. Als er das Gehege aus gesundheitlichen Gründen nicht weiter betreiben konnte, kümmerte sich Nachbarin Christa Umland-Türke um die Tiere und errichtete den heutigen Zaun. Sie wohnt bis dato neben dem Wildrevier, spendet regelmäßig und ist nicht zuletzt zweite Vorsitzende des Fördervereins. „Ohne Frau Umland-Türke wäre es schwierig, das Gehege aufrechtzuerhalten“, ist sich Bernd Hufenreuter sicher.

Der Verein zählt momentan etwa 130 Mitglieder und kümmert sich um das Gelände, kauft neue Wildtiere, beschafft das Futter. Was der erste Vorsitzende des Vereins nicht selbst erledigt, übernehmen andere Helfer. Zwei Mal im Jahr kommt außerdem der Tierarzt: „Die Sika-Hirsche bekommen eine Wurmkur, die Schafe etwas gegen die Blauzungenkrankheit, die Kaninchen werden geimpft“, erläutert Herr Hufenreuter. Heimatlose Wildtiere sind gelegentlich willkommen, wenn sie ins Gehege passen – oft werden sie abgegeben, weil die Besitzer umziehen oder sich aus anderen Gründen nicht mehr um sie kümmern können. Es ist auch schon vor­gekommen, dass Neuzugänge über den Zaun geworfen wurden, aber das ist zum Glück eine Selten­heit. Wegen des begrenzten Platzes kommt der Verein nicht umhin, ab und zu den Bestand zu ­reduzieren. „In meiner Anfangszeit hatten wir eine Dammhirschherde mit zeitweise 22 Tieren, das ging nicht mehr, dafür ist das Gehege zu klein. Wir haben sie dann zu einem Bauern in Neetze gegeben.“ Einige Tiere sind so selten, dass sie sich gut verkaufen ließen: etwa die Vorwerk-Hühner, eine vom Aussterben bedrohte Zuchtrasse mit charakteristisch schwarzem Hals. Auch die braunen Kamerun-Schafe sind begehrt: Ihre Haltung hat den Vorteil, dass sie nicht geschoren werden müssen – das Fell fällt von allein ab.

Das ganze Jahr überstehen Besucher am Zaun des Wildgeheges – einige Tiere kommen sogar näher, um sich Streicheleinheiten abzuholen, wenn sie einen Leckerbissen wittern. Das Füttern durch Gäste ist jedoch nicht immer unproblematisch: „Gemüse wie Mohrrüben oder Kohl ist okay, bei den Alpakas auch rohe Kartoffeln“, empfiehlt Bernd Hufenreuter. Von Brot sollte abgesehen werden – es enthält zu viel Salz – und verschimmelte Lebensmittel sollten grundsätzlich nicht gefüttert werden. Während Ziegen und Schafe wenig scheu sind, zeigen sich die Sikas, eine ursprünglich aus Japan stammende Rothirschart, zurückhaltender. Nur wenn Bernd Hufenreuter sich nähert, lassen sich die älteren, die ihn seit Jahren kennen, von ihm streicheln. „Die Sikas haben ein sehr angenehmes Familienleben, stehen gern in Gruppen zusammen und kuscheln sich aneinander.“

Der Förderverein veranstaltet auch Führungen durch das Wildgehege, Termine können telefonisch vereinbart werden. Schulklassen und Kindergartengruppen aus dem gesamten Landkreis sind häufig zu Gast. Auf dem Pachtgelände befindet sich außerdem ein Waldkindergarten, versteckt in einem ausgedienten Bauwagen.

Wer den Tieren helfen möchte, kann spenden und/oder Mitglied im Förderverein werden (beides ist steuerlich absetzbar). Am Wildgehege befindet sich außerdem eine Spendenbox, die sich über „Futter“ freut. (rb)


Wildgehege Kreideberg/Ochtmissen e. V.
Am Plaggenschlag 9
21339 Lüneburg
Tel.: (04131) 6 23 26, Bernd Hufenreuter

Fotos: Enno Friedrich